Warum bleibe ich in einer Beziehung, die mich erschöpft?

Dein Kopf pendelt permanent zwischen Gehen und Bleiben. Und obwohl du längst weißt, dass „Gehen“ richtig wäre, kannst du dich nicht final dazu durchringen. Für jedes „Geh endlich“ findest du ein „Bleib, es wird schon noch.“ An den guten Tagen fühlt es sich nach „bleiben“ an, an den anderen nach „gehen“.

Dabei merkst du längst, wie sich die Erschöpfung den Weg durch deinen Körper bahnt. Du bist morgens schon so müde wie abends und selbst wenn du nicht viel gemacht hast, fühlst du dich wie vom LKW überfahren. Dein Rücken tut weh als würdest du schwere Lasten tragen und vieles geht dir förmlich an die Nieren.

Oft geht es in erster Linie aber gar nicht um „Gehen“ oder „Bleiben“. Die Frage ist die letzte auf einem langen Weg. Davor geht es um jede Menge andere Punkte, die in erster Linie mit dir zu tun haben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so offensichtlich ist.

Die guten Gründe

Im Moment suchst du Gründe zum Bleiben. Und die, die dir einfallen, sind so plausibel, dass sie fast wahr sein könnten.

  • Andere haben es schlechter.
  • Wir haben schon so viel durchgemacht.
  • Eigentlich ist er doch kein schlechter Mann.
  • Irgendwie haben wir uns doch auch einander gewöhnt.
  • Wer weiß, ob und wie ich das finanziell hinkriegen würde.
  • Das Haus, die Kinder, die Freunde, die Verwandtschaft…
  • Wer weiß, was dann alles kommt?
  • Es ist bestimmt nur eine Phase.

Und so weiter. Und so fort. Dein Kopf versucht dein Bauchgefühl zu beruhigen. Und findet all die Gründe, die es erträglich machen. Die ehrlichste Frage ist hier jedoch, ob dein Bauchgefühl sagt „bleib, es ist zu früh“ oder „bleib, ich will nicht allein sein.“

Die Gründe für’s Gehen sind nicht weniger plausibel, aber sie fühlen sich schmerzhaft an. Wie Versagen. Bzw. Scheitern. Und das möchte dein Inneres nun gleich gar nicht spüren. Im Moment fühlst du dich noch wie der Versager schlechthin und Gehen empfindest du kein bisschen wie Freiheit. Genau deswegen bleibst du. Und hältst an der Hoffnung fest, dass es sich doch noch ändert.

Die wunden Punkte

Dazu kommt noch, dass die Gründe für’s Gehen in erster Linie dich betreffen, all die wunden Punkte, wo du lieber nicht so genau hinsehen willst. Lass es uns trotzdem kurz zusammen machen, ich verspreche dir, dass wir uns später die Gegenargumente dazu genauso anschauen, die sich besser anfühlen:

  • Du müsstest dir eingestehen, dass dein ganzes Engagement, deine Leistung, deine Investition für umsonst war.
  • Du glaubst, nicht liebenswert zu sein.
  • Du schämst dich dafür, dass du so lange geblieben bist, obwohl du schon längst weißt, dass es kein echtes „Wir“ mehr gibt.
  • Du fragst dich immer wieder, ob du damals eine falsche Entscheidung getroffen hast.
  • Du glaubst, dass es an dir liegt.
  • Du hast panische Angst vor den finanziellen Folgen und fragst dich, wo du wohnen sollst.
  • Du weißt nicht mehr, wer du ohne ihn bist.
  • Du glaubst, du bist schuld und machst alles kaputt.

Das, was da hochkommt, sind keine neuen Gedanken. Es sind tief in dir verwurzelte Muster, die mit der aktuellen Beziehung wenig zu tun haben. Vermutlich hast du in jungen Jahren gelernt, dass man sich Liebe verdienen muss. Oder dass Nähe nicht beständig ist. Eventuell auch, dass jemand böse wird, wenn du eigene Entscheidungen triffst oder deine Meinung sagst.

Es kann außerdem sein, dass dein inneres System Liebe mit Leistung (gute Noten, tolle Ergebnisse, schöne Bilder…) verbindet.

Die Muster sind dir so vertraut, dass du sie schon gar nicht mehr als solche wahrnimmst. Du kennst es ja nicht anders. Übertragen auf deine heutige Situation bedeutet das meist, dass du dich anpasst, um die Liebe nicht zu verlieren. Oder dass du schweigst, um nicht als schwierig zu gelten. Wie oft steckst du zurück, um die Verbindung nicht zu gefährden?

Die Indizien

Meist ist die eigentliche Frage nicht „gehen“ oder „bleiben“, das ist selten die erste Entscheidung, die du treffen musst. Davor solltest du dir jede Menge andere Fragen beantworten, die erstmal nur mit dir zu tun haben.

Hier sind ein paar Indizien dafür, dass es sich lohnt, die „Gehen-oder-Bleiben-Frage“ zurückzustellen und erstmal bei dir hinzuschauen:

  • Dein Körper hat längst die Notbremse gezogen. Du bist nicht nur erschöpft und hast diverse Stress-Symptome, du schläfst auch nicht mehr mit ihm und hast kein Bedürfnis danach.
  • Ihr redet nicht mehr wie Partner, sondern wie zwei Menschen, die einen Alltag organisieren müssen. Manchmal sind es schon nur noch Mitteilungen.
  • Du bist entspannter, wenn er nicht da ist.
  • Gespräche fühlen sich anstrengend an und laugen dich aus.
  • Du bist müde, immer wieder die gleichen Dinge zu erklären bzw. zu fordern.
  • Urlaub erholt dich nicht mehr. Es ist auch kein Wunschtraum, sondern eher ein „ich muss mal raus“.
  • Du traust dich nicht auszusprechen, was wirklich in dir vorgeht, aus Angst, dass es dann real wird.
  • Du hast aufgehört, von deinem Tag zu erzählen und wenn, dann bleibst du an der Oberfläche.
  • Ihr lebt mehr wie in einer WG, in der man sich einigermaßen versteht, aber jeder sein Ding macht als in einer Partnerschaft, die von Liebe, gemeinsamen Träumen und Zielen und echtem Miteinander geprägt ist.

Wenn du mit offenem Herzen nachdenkst, fallen dir bestimmt noch ein paar weitere Punkte ein.

Versteh mich nicht falsch. Es geht in keiner Weise um Schuld. Weder bei ihm, noch bei dir. Es geht einzig darum zu verstehen, warum du in einer Beziehung bleibst, die dich erschöpft. Und dass du keine Lösung findest, egal wie lange du darüber nachdenkst.

Dein Kopf wird dein Problem nicht lösen

Wenn die o.g. Punkte ganz oder teilweise auf dich zutreffen, ist dein ganzer Körper bereits in den Überlebensmodus gerutscht. Und dort sitzt dein Kopf nicht mehr am Steuer. Deine Muster und Prägungen haben dich so sehr im Griff, dass es nur noch darum geht, ob du in Sicherheit bist. Und für dein angespanntes System bist du das nur, wenn du bleibst. Der Schmerz ist vertraut. Dein Nervensystem weiß, was wann passiert und wer wie reagiert. Ob das schön ist oder ob das weh tut, spielt dabei keine Rolle. Es geht nur darum, dass es bekannt ist und damit gilt es als sicher. Lieber der vertraute Schmerz als die unbekannte Leere.

Dass dein Kopf scheinbar rumspinnt, liegt nur daran, dass er versucht, das Nervensystem zu beruhigen. Deswegen findet er auch immer für beide Varianten – Gehen oder Bleiben – Argumente. Da dein Kopf aber nicht am Steuer sitzt, kann er im Ergebnis gar nichts ausrichten. Egal, wie viel er nachdenkt. Im Gegenteil, je mehr du denkst, desto fester zieht dein Nervensystem die Notbremse.

Erst, wenn du herausfindest, was deine wahre Angst ist, kannst du anfangen mit ihr ins Gespräch zu kommen. Ich sage bewusst nicht „sie bekämpfen“, denn Angst kann man nicht bekämpfen. Man kann sie nur aushalten und durch sie hindurchgehen. Du musst also deinem Nervensystem beibringen, dass du die Entscheidung aushältst und überleben wirst. Und das geht nur über Erfahrungen, nicht über Denken.

Deine wahre Angst

Dabei kann deine Angst vielschichtig sein und es können auch mehrere Punkte zutreffen. Häufig geht es dabei um Folgendes:

  • Einsamkeit – du hast Angst, niemanden mehr zu finden
  • Geld – du weißt nicht, wo du steht, wie viel du hast, wie viel dir zusteht etc.
  • Schuldgefühle – die Angst jemanden zu verletzen
  • Verlust – du hast Angst, dass sich Menschen von dir abwenden
  • Falsche Entscheidung – du weißt nicht, was richtig ist. Bleiben fühlt sich falsch an, Gehen aber auch.

Erst, wenn du hinter deine Angst blickst, findest du die wahren Gründe, warum du bleibst. Die, dir dein Verstand nämlich bisher eingeflüstert hat wie unter den ersten Anstrichen oben, liegen nämlich alle im Außen. Deine Angst sitzt aber in deinem Inneren.

Schauen wir nochmal kurz auf die Punkte von oben:

  • Du müsstest dir eingestehen, dass dein ganzes Engagement, deine Leistung, deine Investition für umsonst war. -> nichts war für umsonst. Du hast ein Leben organisiert, dafür gesorgt, dass es allen gut geht, selbst wenn du dabei auf der Strecke geblieben bist.
  • Du glaubst, nicht liebenswert zu sein. -> das ist nicht nur einfach ein Glaubenssatz, sondern ein tief sitzendes Glaubenssystem. Du kommst nur raus, indem du Erfahrungen machst, dass deine Liebenswürdigkeit nicht von anderen oder deinen Leistungen abhängt.
  • Du schämst dich dafür, dass du so lange geblieben bist, obwohl du schon längst weißt, dass es kein echtes „Wir“ mehr gibt. -> Dein System hat gute Gründe dafür, dich noch festzuhalten. Dein Kopf hat das nicht zu entscheiden.
  • Du fragst dich immer wieder, ob du damals eine falsche Entscheidung getroffen hast. -> Du vergleichst unterschiedliche Zeitschienen. Man nennt das retrospektive Verzerrung. Im Nachhinein, mit all den Informationen, sehen Informationen immer anders aus. Aber auch damals hatte dein System gute Gründe für deine Handlung.
  • Du glaubst, dass es an dir liegt. -> Ein Stück weit tut es das auch. Aber anders als du bisher vermutet hast.
  • Du hast panische Angst vor den finanziellen Folgen und fragst dich, wo du wohnen sollst. -> das ist der Punkt, der tatsächlich am einfachsten zu lösen ist, wenn man systematisch vorgeht. Alles, was tatsächlich geprüft ist und auf dem Papier steht, verliert seinen Schrecken. In meinem Workbook findest du einen Weg dazu, selbst wenn du keine Zahlen-Affinität hast.
  • Du weißt nicht mehr, wer du ohne ihn bist. -> Das hat dein Vorteil, dass du endlich dein wahres Ich wieder hervorholen kannst, ohne dass du Funktionieren musst oder Rollen bedienen.
  • Du glaubst, du bist schuld und machst alles kaputt. -> Schuld ist kein hilfreiches Thema, wir kommen später im Text noch dazu.

Warum Wegschauen nicht hilft

Manchmal glaubst du auch, dass du Zeit brauchst. Aber deine Angst wartet geduldig, solange bis du bereit bist, hinzusehen. Ihre Stimme wird nur lauter und du brauchst mehr Ablenkung, um die Stimme wegzudrücken. Wenn du einmal angefangen hast zu fühlen, dass etwas nicht in Ordnung ist, kannst du der Stimme in dir nicht mehr ausweichen. Die Ablenkungsversuche werden dich irgendwann so viel Kraft kosten, dass du nicht mehr anders kannst. Und manchmal, wenn du partout nicht hören willst, schickt dir das Leben eine so deutliche Botschaft, dass ein Ausweichen unmöglich wird. Du kannst es dann immer noch als Pech oder Schicksal oder Bösartigkeit abtun, aber die Lektion wird wiederholt.

Und mittlerweile glaube ich sogar, dass Fremdgehen der „Preis“ für’s Wegschauen ist. Für’s Durchhalten. Für’s Kämpfen trotz besseren Wissens. Die Keule, die das Universum dann rausholt, ist so groß, dass du nicht mehr ausweichen kannst. Und dabei ist in meinen Augen völlig egal, ob du die Betrogene oder die Betrügende bist. Aber das Thema ist komplex, dafür gibt es bald einen eigenen Artikel.

Aber auch hier – schau zuerst bei dir hin. Ja, du hast richtig gelesen. Auch hier geht es nicht um Schuld und auch nicht um richtig oder falsch. In meinen Augen geht es nur um hilfreich oder nicht. Schuld und Vorwürfe ziehen dir noch mehr Energie. Und bringen dich unter dem Strich keinen Schritt voran. Innerlich hast du ja sowieso schon gekündigt. Faktisch fällt dann nur noch nach außen die Maske.

Im Moment schützt dich dein System, indem es dir das schlimmste anzunehmende Szenario ausmalt. Es meint, dann wäre der Aufprall nicht so hart, wenn es tatsächlich so kommt. Spoiler: Ist er trotzdem.

Der Ausweg aus der Erschöpfung

Den Aufprall kannst du nur abfedern, indem du dich tatsächlich vorbereitest. Und zwar nicht, indem du ihn besser kontrollierst oder zur Meisterdetektivin wirst. Sondern indem du dich für dich sortierst und deinen Weg innerlich geebnet hast. Indem du dich mit deinen wahren Ängsten auseinandersetzt, deine Finanzen im Griff hast und deine Schuldgefühle unter die Lupe nimmst. Allerdings nicht im Sinne einer Anklage, sondern in liebevoller Beobachtung. Als mein Mann mir gesagt hat, dass er ne andere hat und auszieht, hat ihn am meisten irritiert, dass ich weder gebrüllt noch Teller geworfen habe.

Dabei geht es nicht darum, noch mehr runterzuschlucken oder sich noch kleiner zu machen im Sinne von „bloß keinen Stress machen“. Es geht darum, aus einer inneren Souveränität zu handeln, die jedes Gezeter überflüssig macht.

Die erreichst du aber, wie gesagt, nicht über Denken. Erst, wenn du neue neuronale Verknüpfungen bildest, verliert dein Nervensystem seine Panik. Und das kann man lernen. Ich habe dazu einen Kurs entwickelt, bei dem es genau darum geht.

Wenn du

  • dein Gedankenkarussell endlich stoppen willst
  • so viel innere Stabilität haben willst, du mit jeder Entscheidung zurecht kommst
  • wissen willst, wo du finanziell wirklich stehst
  • aufhören willst zu hoffen, dass es von allein besser wird
  • aufhören willst zu glauben, dass dein Engagement umsonst war
  • nachts wieder ruhig schlafen willst und
  • wieder leben statt nur überleben willst,

dann könnte mein Kurs ein Weg für dich sein. Du musst danach keine Entscheidung treffen. Und der Kurs treibt dich auch nicht an oder erwartet irgendwas von dir. Aber er nimmt dich an die Hand auf einen Weg zu Klarheit und Stabilität.

Viele nennen die Punkte in diesem Blogartikel einfach Stress oder Beziehungsstress. Ich nenne es Burnout im Herzen. Es geht dabei nicht darum, ob du zwei, vier oder zehn Monate bleibst. Erst deine innere Sicherheit wird dir überhaupt den Weg ebnen, um zu erkennen, ob Bleiben oder Gehen richtig ist. Im Moment hat dein innerer Wächter noch gute Gründe, die bleiben zu lassen. Aber ewig wird deine Energie nicht reichen…

Burnout im Herzen

✓ Du bist im Gedankenkarussell gefangen und weißt nicht, wie Du rauskommen sollst.

✓ Du ärgerst dich, änderst aber trotzdem nichts.

✓ Du bist erschöpft, selbst wenn Du nicht viel gemacht hast.

Dann könnte „Burnout im Herzen“ dein Weg sein, um wieder Kraft zu schöpfen. Jenseits von Tschakka-Motivation und „du musst es nur genug wollen“. Burnout im Herzen ist der Onlinekurs gegen Erschöpfung und Grübeln.

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