Warum Denken bei emotionalen Themen nicht hilft

Du denkst seit Wochen darüber nach. Vielleicht sogar seit Monaten. Du hast Listen mit Vor- und Nachteilen gemacht. Bücher gelesen. CHAT GPT befragt. Trotz allem Denken kommst du nicht zu einer Lösung. Und selbst wenn du mal denkst, du hast sie, zweifelst du im nächsten Moment wieder. Für jedes „Geh‘ endlich“ findest du ein „Bleib‘, es ist zu früh.“ 

Manchmal hast du sogar das Gefühl, dass mehr Denken nur mehr Probleme verursacht. Es ist, als ob du dich im Kreis drehst und das Gedankenkarussell nicht mehr still stehen will. 

Auch wenn es dich jetzt überrascht – aber dein Kopf ist gar nicht dein Problem. Der liebt sein Gedankenkarussell und das eiwge Grübeln, weil er die richtige Lösung finden will. Wie lange das dauert, ist ihm egal. 

Tatsächlich sitzt er aber gar nicht am Entscheidungssteuer. Es ist dein Nervensystem, das dich immer wieder zurückhält und dir die schlimmsten Horrorszenarien ausmalt.

Die Illusion: Kopf = Entscheidung

Wir glauben, wenn wir nur mehr nachdenken, finden wir endlich die Lösung. Gerade bei rational veranlagten Menschen ist das der einzig vorstellbare Weg. Du glaubst, man kann alles mit Denken lösen. In deinem Job und im Leben machst du das ja auch so. Du wendest die Methoden an, die du gelernt hast und findest zügig einen Ausweg. Selbst bei schwierigen Themen. 

Aber sobald es emotional wird, versagt dein System. Dann kannst du nicht mehr loslassen oder läufst ihm hinterher oder verlierst dich in Kontrollszenarien. Du denkst dich fest und verlierst dabei immer mehr Energie. Die Erschöpfung steht dir förmlich ins Gesicht geschrieben und beschert dir nicht nur schlaflose Nächte, sondern sorgt auch dafür, dass du bald 10 jahre älter aussiehst. Die Ursache deines Gedankenkarussells liegt darin, dass emotionale Entscheidung nicht mit dem Verstand getroffen werden, sondern im limbischen System. Dein präfrontaler Cortex (Verstand) hat Sendepause und deine Prägungen und Muster haben übernommen. Deswegen kommst du mit Logik nicht weiter und deine ganzen Listen helfen dir nicht.

Dein Denken befeuert nur die Existenzangst deines Nervensystems und hält dich immer fester. Dein System hat Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Deswegen triffst du gar keine. Selbst wenn das „IST“ noch so große Schmerzen verursacht – dein System hält lieber an dem fest, was es kennt als sich in eine unbekannte Zukunft zu stürzen, wo es nicht weiß, was es erwartet.

Dein System sucht Sicherheit und die findet es nur in dem, was es kennt. Und je mehr Stress du mit der Situation hast – du willst eine Entscheidung treffen und kannst nicht – desto mehr rutscht dein System in den Überlebensmodus und schaltet alles ab, was nicht lebensnotwendig ist. Dazu gehören auch Freude und Zuversicht falls du dich schon mal gefragt hast, wann dir die Abhanden gekommen sind.

Du bist im Angstmodus angekommen und kommst mit Denken nicht mehr raus.

Die Angst ist nicht irrational - sie ist gelernt

Vielleicht denkst du jetzt – so doof kann man doch gar nicht sein, ich weiß doch, dass nichts Schlimmes passieren wird. Nun ja, dein Kopf weiß das. Dein Nervensystem sieht das völlig anders.

Dein Nervensystem hat vor langer Zeit gelernt, dass man Liebe verliert, wenn man seine eigene Meinung sagt. Oder dass man nur geliebt wird, wenn man Leistung erbringt. Manchmal hat es auch gelernt, dass Liebe oder Nähe nicht stabil sind und dass man immer traurig ist, wenn man sich öffnet. Häufig kommt auch noch dazu, dass man in jungen Jahren beigebracht kriegt, dass Geld ein schwieriges Thema ist und dass man verhungern muss, wenn man nicht aufpasst und sich an die Regeln hält.

Alles das, was du jemals gelernt oder gedacht hast, ist auf deiner inneren Festplatte, in deinem limbischen System gespeichert. Und genau das hält dich fest. All die schlechten Erfahrungen, die dein System gemacht hat, zaubert es gerade raus und lässt dich keine Entscheidung treffen. Das Problem ist nämlich, dass die interne Festplatte riesengroß ist und keinen Zeitstempel hat. Dein innerer Wächter weiß also gar nicht, ob wir von damals oder von heute reden. 

Dein System denkt nicht „Wie kann ich es besser machen?“. Es denkt nur „Wie kann ich ihr Überleben gewährleisten?“. Dabei ist nur wichtig, was sich sicher anfühlt. Und sicher ist nur das, was es kennt. Dabei ist völlig nebensächlich, ob du jeden Tag hundert Entscheidungen triffst. Es geht nicht um die Entscheidungen an sich. Es geht nur um dein emotionales Überleben. Dabei spielt u.a. Verlustangst eine große Rolle. Selbst wenn du im Job Millionenprojekte jonglierst und große Teams managst, kannst du Verlustangst bis zum Mond haben. Die Projekte und die Teams betreffen nur dein Außen. Für dein emotionales Überleben sind sie irrelevant, selbst wenn dein wirtschaftliches Überleben davon abhängen könnte.

Denken ist nicht die Lösung

Du hast kein Gedankenproblem. Du hast ein Sicherheitsproblem. Für dein Nervensystem fühlt sich keine Lösung sicher an. Deswegen ist Denken nicht die Lösung. Vielleicht schwirren folgende Fragen immer wieder durch deinen Kopf:
  • Wie soll ich mir das denn leisten können?
  • Was werden denn die Leute sagen?
  • Wie soll ich das organisatorisch alles hinkriegen?
  • Was wird mit dem Haus/der Wohnung?
  • Was passiert mit meinem Freundeskreis? Wer wird sich von mir abwenden?

In dem, was dir dein Verstand als Lösung anbietet, findet dein Nervensystem keine Sicherheit. Dein Verstand kann wissen, dass es immer irgendwie weiter geht. Aber dein Nervensystem glaubt nicht daran. Aufgrund deiner Glaubenssätze und Erfahrungen meint das vielmehr:

  • Du ruinierst uns. Wir werden verhungern und kein Dach mehr über dem Kopf haben.
  • Die Leute werden über uns lästern und uns verurteilen. Du bist ein schlechter Mensch.
  • Du wirst auf Hilfe angewiesen sein und dann baust du eine Schuld auf, die du niemals begleichen kannst. Wie willst du das denn jemals wieder gut machen?
  • Du wirst das Haus verlieren. Schau dir doch nur mal xy an, der musste aufgrund der Scheidung sein Haus völlig unter Wert verkaufen. Wie willst du dir das leisten?
  • Deine Freunde werden dich verlassen. Dann stehst du ganz alleine da und wirst nie wieder jemanden finden. 

Vielleicht sind die Sätze deines Nervensystems hier ein wenig zugespitzt, aber wenn du dich seit Monaten um eine Entscheidung drückst, kennst du sie bestimmt in irgend einer Form.

Veränderung fühlt sich gefährlich an

Dein System macht das nicht, um dich zu ärgern. Früher hat es mit solchen Hinweisen dein Überleben gesichert. Es will, dass du sicher bist. Das funktioniert aber nicht mit „Schalter umlegen“ und alles wird gut.  Sicher wird dein System erst, wenn es lernt, Veränderungen auszuhalten. Dabei hilft dir wiederum kein Denken, sondern nur Erfahrung.

Erst, wenn dein Nervensystem lernt, dass man auch überlebt, wenn man Dinge anders macht, gewinnt es an Sicherheit. Herbeidenken kannst du diese nicht. Deswegen ist es auch keine gute Idee, als ersten Schritt dein Leben über den Haufen zu werfen und zu denken „Nach mir die Sinnflut.“ Sei dir gewiss, die Flut holt dich ein. Zu einem Zeitpunkt, zu dem es dir eher nicht passen wird.
 
Bedenke, dass dein gesamter Körper in den Überlebensmodus gerutscht ist und Veränderung im Moment Lebensgefahr bedeutet. Erst, wenn du wieder so stabil bist, dass dein Kopf überhaupt mitspielen darf, kannst du wieder rational handeln. Aktuell befindest du dich eher auf dem Niveau eines Neandertalers und mit Essen, Schlafen, Jagen/Arbeiten ist dein System völlig ausgelastet. Aber glaube jetzt nicht, dass du nur mal Urlaub brauchst, um dich zu erholen und dann ploppt die richtige Antwort vor deinem inneren Auge auf.

Die richtige Baustelle bearbeiten

Die richtige Antwort findest du erst, wenn du hinter die Fassade schaust. Wenn du deinen inneren Wächter an die Hand nimmst und dir ganz genau zeigen lässt, wovor er so schlimme Panik hat und was er früher mal gelernt hat, das so grausam ist, dass er denkt, du stirbst.

Wenn du das weißt, kannst du den Pfad dafür ebnen, der raus aus dem Panik-Modus führt. Du musst lernen, Unsicherheit auszuhalten. Aber eben nicht nur theoretisch, sondern praktisch. Emotionale Unsicherheit. Keine Unsicherheit darüber, wie die Kurse sich entwickeln oder wer bei irgendeiner Fernsehshow gewinnt. Wenn du die finanzielle Angst-Zwiebel schälst, siehst du, was dahinter steckt, wenn du denkst, dass nach der Entscheidung der Ruin wartet.

Erst wenn du auseinander nimmst, welche uralten „Verträge“ und Verpflichtungen dich gebunden halten, kannst du die Angst vor dem gesellschaftlichen K.O. angehen. Nur, wenn du weißt, welche Erwartungen dich im Funktionieren halten, kannst du anfangen, Grenzen zu setzen.

Bisher hat wahrscheinlich vieles nicht funktioniert, weil die ganzen Methoden nur auf den Kopf gezielt haben. Aber wenn du seit Wochen oder Monaten keine Entscheidung treffen kannst, ist dein Kopf gar nicht dein Problem. Du bearbeitest die falsche Baustelle und kommst deswegen zu keiner Lösung.

Du bist nicht zu schwach zum Entscheiden. Und auch nicht zu doof, das Richtige zu erkennen. Du versuchst lediglich mit dem Kopf zu lösen, was im Körper steckt. Weil es mir jahrelang auch so ging, habe ich meinen Kurs „Burnout im Herzen“ entwickelt. Ich habe es gehasst, wenn man zu mir gesagt hat „Geh doch einfach“ oder „Du bist so doof, wenn du bleibst“. Wenn man das selber weiß, gießen solche Sprüche nur noch Öl ins Feuer. 

Burnout im Herzen

✓ Du bist im Gedankenkarussell gefangen und weißt nicht, wie Du rauskommen sollst.

✓ Du ärgerst dich, änderst aber trotzdem nichts.

✓ Du bist erschöpft, selbst wenn Du nicht viel gemacht hast.

Dann könnte „Burnout im Herzen“ dein Weg sein, um wieder Kraft zu schöpfen. Jenseits von Tschakka-Motivation und „du musst es nur genug wollen“. Burnout im Herzen ist der Onlinekurs gegen Erschöpfung und Grübeln.

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