Meine spannendsten Reisen bisher waren ein Roadtrip durch Schottland – ganz allein mit einem roten Ford Fiesta – und zwei Rundreisen durch die USA: 5.000 km durch den Westen und 2.000 km durch Florida. Wie man auf die Idee kommt, allein durch Schottland zu reisen, kann ich dir nicht mehr sagen. Wahrscheinlich habe ich einen Bericht in einem Reisemagazin gesehen und war von der Landschaft begeistert. War ich dann auch in echt. Auch wenn es tatsächlich eher ein „Lasst mich alle in Ruhe“-Versuch war. Auf jeden Fall war es, im Nachhinein betrachtet, eine tolle Erfahrung. Ich war vorher noch nie im Linksverkehr gefahren. Ich hatte auch kein Navi. Und nur das Hotel in Edinburgh vorher gebucht. Alles andere war spontan. Schafft man das? Klar. Hört das Gedankenkarussell auf? Nein.
Ich war auch allein in Paris. Eigentlich hatte ich mir immer geschworen: „Nach Paris fährste erst mit deinem Traummann.“ Naja, nachdem Mr. Right sich dann partout nicht vorstellen wollte, bin ich halt ins Flugzeug gestiegen und losgeflogen. Paris ist total toll. Aber irgendwann fahre ich trotzdem nochmal mit Mr. Right hin, hat damals nämlich fast nur geregnet …
Ich war auch allein in Wien und in London. Wollte ich unbedingt allein dorthin? Nein, natürlich nicht. Aber ich hatte die Wahl, jammernd daheim zu sitzen und zu warten oder loszufliegen.
Und trotzdem ärgere ich mich heute darüber, dass ich nicht viel öfter losgeflogen bin. Dass ich manchmal doch gewartet habe – auf den richtigen Zeitpunkt, die richtigen Umstände oder jemanden, der mitkommt. Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen etwas wissen und etwas erfahren: Hinterher weißt Du nicht nur, dass Du es könntest. Du weißt, dass Du es kannst.
Wenn ich nicht gerade die Welt entdecke, lese ich super gerne und habe mehr Bücher im Schrank, als ich Zeit zum Lesen habe. Wie Du vielleicht schon gemerkt hast, liebe ich Zitate und setze sie oft ein. Ich bewege mich gern ein wenig abseits des Mainstreams und lasse mir nicht so einfach Dinge einreden, sondern hinterfrage und nutze meinen eigenen Kopf. Bin ich deswegen verrückt? Ja, vielleicht. Wenn „verrückt“ bedeutet, auch mal einen Schritt neben die Linie zu machen, auf der alle anderen stehen, kann ich damit ziemlich gut leben.
Ich liebe das Reisen. Aber wenn ich ehrlich bin, war es manchmal auch einfach ein Fluchtversuch. Eine Ablenkung, um kurz auszubrechen, bevor ich weiter funktioniert habe. Heute stehen noch ziemlich viele Ziele auf meiner Liste. Nur möchte ich diesmal nicht mehr hin, um abzuhauen – sondern weil ich wirklich hinwill.