Ich weiß nicht, was ich will

Wer kennt ihn nicht – diesen Satz: „Ich weiß nicht, was ich will“. Der, der unendliche Runden im Kopf drehen kann. Aber sind wir ehrlich: Du weißt es. Sehr wahrscheinlich zumindest. Du traust dich nur nicht, es zu Ende zu denken. Oder es auszusprechen. Oder aufzuschreiben.

In einer stillen Stunde, wenn Du dich mal kurz vom alltäglichen Stress und Funktionieren ausklinkst – dann weißt Du es. Du glaubst nur nicht daran, dass Du es erreichen kannst. Oder dass es „dir zusteht“. Zerbrichst dir den Kopf, was die Leute sagen. Hältst dich selbst klein. Liebst deine Gewohnheiten. Du versteckst dich – vielleicht vor deiner wahren Größe. Aber weil das alles irgendwie uncool klingt, sagst Du oder denkst Du lieber „ich weiß nicht, was ich will.“

Ok, vielleicht weiß man manchmal wirklich nicht, was man will. Dann kann man aber einen einfachen Trick anwenden. Du kennst sicher „Kopf oder Zahl“. Nimm eine Münze, gib jeder Seite eine Bedeutung (also ein Ergebnis, was in Frage kommt) und dann wirf die Münze. Intuitiv wirst Du auf eine Seite etwas mehr hoffen und schon weißt Du, was Du wirklich willst.

Wenn du dich nicht entscheiden kannst, wirf eine Münze.

Nur, weil wir uns mit unserer sogenannten Realität arrangiert haben, ist sie noch lange nicht das, was wir wirklich wollen. Ein Klassiker dabei ist der Gedanke „ich komme schon irgendwie über die Runden“. Mag sein. Aber ist es wirklich das, was Du willst? Willst du wegen jeder mittelgroßen Extra-Ausgabe in Schweißausbrüche verfallen? Regelmäßig wegen Geld streiten? Willst Du dich mit „second best“ zufrieden geben, weil das alles irgendwie so teuer geworden ist? Werden die „Runden“ über die Du kommst, langsam kleiner, weil die Preisentwicklung im Moment einfach unfassbar ist? Willst Du auf dem Sterbebett wirklich sagen „naja, gelebt habe ich nicht wirklich, aber immerhin bin ich über die Runden gekommen“?

Das gleiche gilt für „es geht schon irgendwie weiter“. Ja, natürlich geht es das. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Aber auch da schleicht sich vermutlich so ganz heimlich irgendwann die Frage in dein Unterbewusstsein, ob es das wirklich soll. Soll es einfach nur weitergehen? Ist das Leben etwas, was man irgendwie „rumbringen“ muss? Ist es ein Tag mehr oder ein Tag weniger?

Angenommen, du könntest nicht scheitern - wie würdest du leben?

Keine Satz hat mehr Träume zerstört als "was sollen denn die Leute denken"

Ich lade dich ein, zu einem kleinen Gedanken-Experiment. Du musst nichts davon umsetzen, aber erlaube dir mal einen kurzen Moment zu phantasieren. Lass einmal alles Müssen, Können und Sollen beiseite.

Wie würde dein Leben aussehen, wenn es keine Restriktionen gäbe? Was würdest du dir wünschen, wenn Geld nachhaltig keine Rolle spielen würde? Was wäre dir wichtig? Wie würdest Du wirklich leben?

All das sind Fragen, die man nicht mal ebenso nebenbei beantwortet. Man muss sich schon bewusst damit beschäftigen wollen. Und meist tun wir es nicht, weil wir Angst vor den Antworten haben. Das ist völlig in Ordnung. Gerade, wenn man im Funktionieren gefangen ist, legt man nicht so einfach den Schalter um. Aber dein System ist sicher. Es ist nur ein Gedanken-Experiment.

Du musst nichts über den Haufen werfen. Sage deinem Kopf kurz, dass Du nur mal kucken willst. Er braucht danach nicht noch unzufriedener sein, weil er es eh nicht für möglich hält. Wir gehen nur mal kurz ins virtuelle Reisebüro und schauen, was es so an Angeboten gibt. 

Bewusst machen ist oftmals ein guter Schritt, um neue Wege im Gehirn zu bauen. Dein Gehirn braucht das Gefühl, dass es nicht übergangen wird. Du musst ja nicht gleich dein ganzes Leben über den Haufen werfen. Aber du kannst mit kleinen Schritten anfangen. Wenn es dir z.B. wichtig ist, Entscheidungen unabhängig vom Geld zu treffen, kannst Du beim nächsten Restaurantbesuch einfach mal die Preisleiste ausblenden und genau das Essen, was Du wirklich wirklich willst. Und dann kannst Du anfangen, darüber nachzudenken, wie Du dir mehr Geld besorgen kannst und welche Schritte du dafür unternehmen musst.

Geld ist dir nicht wichtig (ohoh, Glaubenssatz-Alarm)? Mag sein. Trotzdem bestimmt es zu bestimmt 90% dein Leben. Du kannst das Prinzip aber auch auf Gesundheitsthemen übertragen. Auch hier wirst Du nicht von heute auf morgen deine liebgewonnenen Gewohnheiten (auch, wenn Du genau weißt, dass sie dir eher schaden), komplett umstellen. Aber Du kannst heute anfangen, dir eine halbe Stunde Entspannung zu gönnen. Und wenn es dir wichtig ist, findest du die Zeit.

PS: keine Sorge, wenn Du sie nicht findest, dein Körper findet sie irgendwann.

Ich will zwei Dinge, die nicht zusammen passen

Manchmal wissen wir nicht, wie wir uns zwischen zwei Optionen entscheiden sollen und sagen uns, dass uns beides gleich lieb wäre. Wenn wir ganz ehrlich sind, stimmt das meistens nicht. Wir drücken uns nur irgendwie vor der Entscheidung, weil beide Varianten Vor- und Nachteile haben. Und weil wir uns nicht festlegen wollen, was uns wichtiger ist. Manchmal können wir es auch gar nicht, weil unser System gar keine Kapazität mehr hat, um irgendetwas zu priorisieren.

Vielleicht helfen Dir aber dennoch ein paar Fragen:

  • Warum gibt es die Variante B überhaupt?
  • Was hat B, was A nicht vielleicht auch hat?
  • Was hat A, was B auch hat?
  • Was will ich wirklich tief in meinem Herzen unabhängig von A oder B?
  • Was passiert, wenn ich mich nicht entscheide?
  • Wovor habe ich am meisten Angst?

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Und zwar eine, die Energie kostet und auch die hat Konsequenzen. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann sicher. Indem das Thema z.B. erneut in anderer Form aufploppt. So lange du die Frage unbeantwortet lässt, kreist sie immer weiter in deinem Kopf. Nicht, weil du unfähig bist. Sondern weil sie deinem Gehirn vertraut ist. Und vertraute Sachen wiederholt es permanent. Genau das aber blutet deinen inneren Akku weiter aus.

Ich glaube mittlerweile, es geht darum, sich Dinge bewusst zu machen. Man kann ja alles entscheiden, aber man muss es eben bewusst tun. Nicht unbewusst oder aus Zwängen heraus. Man weiß z.B. dass der ganze Stress einem nicht guttut. Macht man trotzdem weiter? Meistens. Wird es Konsequenzen geben? Sicher. Nimmt man das in Kauf? Ja. Man hat sich ja bewusst dafür entschieden. Das passiert auch nicht einfach so. Man weiß es doch. Selbst wenn man es nicht weiß (was schon recht unwahrscheinlich ist heutzutage), passiert es trotzdem. Und auch da muss man mit den Konsequenzen leben. Das Ergebnis ist also das gleiche. Im zweiten Fall kann man ein bisschen mehr auf das böse Leben, die Umstände, den bösen Chef etc. schimpfen. Ändert aber nichts an der Situation. Und auch nichts an der Ursache.

Hilfreiche Hilfsmittel

Erstelle eine Löffelliste

Wenn man wirklich nicht weiß, was man will, gibt es noch ein paar Hilfsmittel, wie man es herausfinden kann. Man macht z.B. eine sogenannte „Löffel-Liste“. Nimm ein Blatt Papier und schreibe alle die Dinge auf, die du tun und haben willst, bis Du den Löffel abgibst.

Schreibe ruhig auch dazu, wie Du gern sein willst. Sei kreativ, schreibe alles auf, was Dir in den Sinn kommt. Egal, ob du es für realistisch hältst oder nicht. Du gibst damit deinem Gehirn eine Aufgabe, quasi einen Anreiz outside the box zu denken. Du entlastet es mal kurz vom Alltag, indem es aus der ewigen sonstigen Gedankenspirale aussteigen darf.

Es geht nicht um eine Bewertung. Es geht nur um deine Träume und Wünsche. Nimm nicht unbedingt einen Kellnerblock, sondern eher ein A4-Blatt. Mache es konkret. Bleibe nicht an der Oberfläche. Blende mal für einen Moment all deine Sorgen, Ängste und Befürchtungen aus. Schreibe aber beispielweise nicht einfach „Kreuzfahrt“, sondern welches Schiff, welche Route, welcher Zeitraum etc.

Im 2. Schritt kannst du dann an der Umsetzung arbeiten. Um bei der Kreuzfahrt zu bleiben, kannst Du anfangen herauszufinden, was sie kostet. So, wie du sie haben willst. Danach fängst du dann an, dich zu fragen, wie es geht und welche Schritte dafür notwendig sind. Bist du nicht bereit, diese Schritte zu gehen, kannst du die Kreuzfahrt von deiner Löffelliste streichen, denn dann willst du sie nicht wirklich aus deinem Inneren.

Geht dir das bei all deinen Punkten so, fange von vorne an und überlege nochmal, was du wirklich wollen würdest – und nicht alle anderen oder nichts, was irgendwie cool klingt oder Anerkennungspunkte im Freundeskreis bringt etc.. Es geht dabei nur um dich. Nicht um richtig oder falsch. Und auch nicht um cool oder uncool. Wenn du es richtig geil finden würdest, schreibe es auf. Und wenn Du denkst, alle anderen würden dich auslachen, schreibe es trotzdem auf. Es geht niemanden etwas an und du musst dich nicht rechtfertigen. Du kannst die Liste verstecken oder verschlüsseln.  Aber wenn du sie handschriftlich machst, ist sie noch ein bisschen wirksamer als im Handy oder Tablet.

Hass-Liste

Du kannst auch ein zweites Hilfsmittel nutzen. Nimm dazu wieder ein A4-Blatt und schreibe auf die linke Seite untereinander all die Punkte, die du im Moment hasst in deinem Leben. Alle. Sie müssen dir nicht peinlich sein und du kannst die Liste auch ganz allein nur für dich machen, musst sie nie jemanden zeigen.

Dann kehrst du einfach alle Punkte ins Gegenteil um und schreibst sie rechts daneben. Steht also links z.B. „früh aufstehen“, schreibst du rechts „aufstehen, wann ich will“. Du musst nicht nachdenken, einfach machen. Steht links „zu wenig Geld“, schreibst du rechts „viel Geld“ und so weiter. Dann arbeitest Du nur noch mit der rechten Seite und fragst dich, was das konkret für dich bedeutet. Schreibe zu jedem Punkt etwas auf. „Viel Geld“ kann z.B. bedeuten 6 Monatsgehälter als Rücklage für Unvorhergesehenes, ein 6-stelliges Depot, welches Dividenden ausschüttet, 500 EUR mehr Monatseinkommen etc. Du weißt, was ich meine. Es muss zu dir und deinen Träumen und Wünschen passen. Und dann analysierst Du wie bei der Löffelliste die Schritte, die notwendig wären, um es zu erreichen.

Bist du nicht bereit oder noch nicht bereit, die Schritte zu gehen, ist es dir (im Moment) nicht wichtig genug. Du hasst es dann wahrscheinlich auch nicht so sehr, wie du ursprünglich angenommen hast. Du hättest es nur gern anders, wenn kein Aufwand damit verbunden wäre. Aber das reicht nicht, um in die Umsetzung zu kommen. Du kannst es also gedanklich erstmal streichen. Geht es dir auch wieder so wie bei der Löffelliste, fange nochmal von vorne an.

Es ist nicht schlimm, wenn man mehrere Runden drehen muss. Ganz oft sind unsere wahren Träume und Wünsche vom Alltag und den Rahmenbedingungen und unserem Funktionieren überlagert. Und unsere Glaubenssätze halten uns zudem im „Ist“ gefangen. Aber sich das bewusst zu machen, ist der erste Schritt zur Änderung… Bewusstsein schützt einem auch davor, überhastete Entscheidungen zu treffen. Manchmal liegt das eigentliche Problem nämlich gar woanders, als wir es oberflächlich vermuten.

Am Rande sein noch angemerkt, dass zu wissen, was man will, übrigens auch elementar dafür ist, wenn man Anlage- bzw. Investitionsentscheidungen treffen will. Jeder halbwegs erfolgreiche Investor verkauft dir seine Assetklasse (also das, worin er investiert) als das Nonplusultra. Aber nicht jedes Asset ist für jeden geeignet und wenn du nicht weißt, was du willst, kannst du auch nicht wissen, ob das Asset richtig bzw. geeignet für dich ist.

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