Innere Sicherheit

« Back to Glossary Index

Innere Sicherheit bedeutet, dir selbst zuzutrauen, mit Unsicherheit, schwierigen Gefühlen und den Folgen deiner Entscheidungen umgehen zu können. Sie entsteht nicht dadurch, dass du weißt, was passieren wird. Sondern dadurch, dass du zunehmend darauf vertrauen kannst, dass du mit dem umgehen kannst, was passiert.

Innere Sicherheit bedeutet deshalb nicht: „Es wird alles gut.“

Sondern eher: „Auch wenn es schwierig wird, kann ich damit umgehen.“

Was bedeutet innere Sicherheit?

Innere Sicherheit ist nicht die Abwesenheit von Angst, Zweifel oder Unsicherheit.

Du kannst Angst vor einer Trennung haben und dich trotzdem innerlich sicher genug fühlen, sie auszusprechen. Du kannst nicht wissen, ob ein beruflicher Neuanfang funktioniert, und trotzdem entscheiden, dass du ihn versuchen möchtest.

Der Unterschied liegt nicht darin, wie sicher die Zukunft ist.

Der Unterschied liegt darin, wie sicher du dich mit dir selbst fühlst, wenn die Zukunft unsicher ist.

Warum brauche ich innere Sicherheit, um Entscheidungen zu treffen?

Entscheidungen haben Konsequenzen. Und gerade wichtige Entscheidungen führen oft in eine Zukunft, die sich nicht vollständig vorhersehen lässt.

Wenn du dir nicht zutraust, mit dieser Unsicherheit umzugehen, kann Nichtentscheiden sicherer erscheinen als Entscheiden.

Dann lautet die eigentliche Frage möglicherweise gar nicht:

„Will ich gehen oder bleiben?“

Sondern:

„Was passiert mit mir, wenn ich gehe?“

Genau deshalb reicht Klarheit manchmal nicht aus. Du kannst wissen, was du willst, und dich trotzdem noch nicht sicher genug fühlen, danach zu handeln.

Was hat innere Sicherheit mit dem Überlebensmodus zu tun?

Im Überlebensmodus richtet sich viel Aufmerksamkeit darauf, Belastung auszuhalten und weitere Unsicherheit möglichst zu vermeiden.

Deshalb können selbst notwendige Veränderungen bedrohlich wirken: Eine Trennung bedeutet zunächst Unsicherheit. Eine Kündigung bedeutet Unsicherheit. Eine Grenze zu setzen kann bedeuten, nicht zu wissen, wie der andere reagieren wird.

Innere Sicherheit schafft nicht die Garantie, dass alles problemlos verlaufen wird.

Sie verändert etwas anderes:

Du musst nicht mehr darauf warten, dass die Situation sicher wird, bevor du dir zutraust, mit ihr umzugehen.

Und damit entsteht wieder Raum für Entscheidungen.

Wie fühlt sich innere Sicherheit an?

Innere Sicherheit muss sich nicht wie vollkommene Ruhe oder grenzenloses Selbstvertrauen anfühlen.

Sie kann sehr unspektakulär sein.

Du merkst beispielsweise, dass du einen unangenehmen Gedanken aushalten kannst, ohne ihn sofort lösen zu müssen. Dass jemand enttäuscht von dir sein darf, ohne dass du deine Entscheidung sofort zurücknehmen musst. Dass du Angst haben kannst und trotzdem handelst.

Oder dass du dir nach einem Fehler nicht sofort beweisen musst, dass die Entscheidung trotzdem richtig war.

Innere Sicherheit zeigt sich nicht darin, dass nichts mehr wackelt. Sondern darin, dass du nicht jedes Mal mitwackeln musst.

Wie entsteht innere Sicherheit?

Innere Sicherheit lässt sich schwer allein durch den Gedanken „Ich vertraue mir jetzt“ herstellen.

Sie wächst auch durch Erfahrungen.

Wenn du eine kleine Grenze setzt und feststellst, dass du die Reaktion darauf aushältst. Wenn du eine Entscheidung triffst, ohne vorher hundertprozentig sicher zu sein. Wenn du ein unangenehmes Gefühl nicht sofort wegmachen musst. Wenn du bemerkst, dass du etwas beeinflussen kannst.

Mit solchen Erfahrungen kann auch Selbstwirksamkeit wachsen:

Ich kann handeln. Ich kann reagieren. Ich kann für mich sorgen.

Das ist etwas anderes als die Gewissheit, dass nichts Schwieriges passieren wird.

Ist innere Sicherheit dasselbe wie Selbstvertrauen?

Nicht ganz.

Selbstvertrauen wird häufig damit verbunden, sich etwas zuzutrauen: Ich glaube, dass ich das kann.

Innere Sicherheit geht noch einen Schritt darunter. Sie kann auch dann vorhanden sein, wenn du überhaupt nicht weißt, ob du etwas kannst oder ob eine Entscheidung gut ausgehen wird.

Dann lautet die innere Haltung eher:

„Ich weiß nicht, ob ich das kann. Aber ich traue mir zu, herauszufinden, wie ich damit umgehe.“

Muss ich mich erst sicher fühlen, bevor ich handeln kann?

Nein. Wenn du darauf wartest, keinerlei Angst oder Zweifel mehr zu spüren, wartest du bei manchen Entscheidungen möglicherweise sehr lange.

Innere Sicherheit bedeutet nicht, dass du dich jederzeit sicher fühlst.

Sie bedeutet, dass Unsicherheit nicht mehr automatisch entscheidet, was du tust.

Du kannst Angst haben und trotzdem eine Grenze setzen. Zweifeln und trotzdem eine Entscheidung treffen. Traurig sein und trotzdem gehen.

Innere Sicherheit macht Unsicherheit nicht überflüssig. Sie macht sie tragbarer.

Innere Sicherheit – kurz erklärt

Innere Sicherheit bedeutet nicht, zu wissen, dass alles gut ausgehen wird. Sie beschreibt das zunehmende Vertrauen darauf, mit Unsicherheit, schwierigen Gefühlen und den Konsequenzen eigener Entscheidungen umgehen zu können. Dadurch entsteht wieder mehr Raum, nicht nur aus Angst oder Vermeidung zu reagieren, sondern Entscheidungen für sich selbst zu treffen.

-> Lies hier weiter: Warum Kontrolle keine Sicherheit erzeugt

Verwandte Begriffe:

Überlebensmodus · Selbstwirksamkeit · Entscheidungsblockade · Was will ich? · Grenzen setzen · Selbstwert · Sicherheit

Nach oben scrollen