Selbstwert

« Back to Glossary Index

Selbstwert beschreibt, welchen Wert du dir selbst als Mensch zuschreibst – unabhängig davon, was du leistest, wie andere dich beurteilen oder ob ein bestimmter Mensch sich für dich entscheidet. Ein instabiler Selbstwert zeigt sich deshalb häufig besonders deutlich in Situationen, in denen Anerkennung, Erfolg oder Zugehörigkeit plötzlich wegfallen.

Solange alles läuft, merkst du vielleicht gar nichts davon.

Du wirst gebraucht.

Du funktionierst.

Du leistest.

Jemand liebt dich.

Jemand entscheidet sich für dich.

Doch was passiert, wenn genau das wegfällt?

Manchmal merken wir erst in der Ablehnung, der Trennung oder der Erschöpfung, woran wir unseren eigenen Wert die ganze Zeit geknüpft haben.

Was bedeutet Selbstwert?

Selbstwert bezeichnet die Bewertung, die du deiner eigenen Person gibst.

Dabei geht es nicht darum, dich großartig zu finden oder ständig von dir überzeugt zu sein.

Ein stabiler Selbstwert bedeutet auch nicht:

Ich bin besser als andere.

Eher:

„Mein Wert als Mensch steht nicht jedes Mal neu zur Verhandlung, wenn mir etwas misslingt oder jemand mich nicht will.“

Du kannst Fehler machen, ohne dich selbst als Fehler zu betrachten.

Du kannst kritisiert werden, ohne deine gesamte Person infrage zu stellen.

Du kannst verlassen werden, ohne daraus automatisch zu schließen, dass du nicht liebenswert bist.

Genau diese Trennung zwischen einem Ereignis und dem eigenen Wert kann schwierig werden.

Woran erkenne ich einen niedrigen Selbstwert?

Ein niedriger oder instabiler Selbstwert muss nicht bedeuten, dass du ständig schlecht über dich denkst.

Vielleicht wirkst du selbstbewusst.

Du bist erfolgreich.

Triffst Entscheidungen.

Übernimmst Verantwortung.

Andere verlassen sich auf dich.

Und trotzdem hängt dein Gefühl für dich selbst stark davon ab, wie gut du funktionierst oder wie andere auf dich reagieren.

Dann können bereits kleine Situationen große Wirkung bekommen.

Kritik fühlt sich nicht an wie:

„Da ist etwas schiefgelaufen.“

Sondern wie:

„Ich bin nicht gut genug.“

Ablehnung wird zu:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“

Und eine Trennung zu:

„Warum war ich nicht genug, damit er bleibt?“

Ein instabiler Selbstwert zeigt sich nicht immer darin, dass du wenig von dir hältst. Manchmal zeigt er sich darin, wie schnell dein Wertgefühl zusammenbricht, sobald Bestätigung von außen fehlt.

Was hat Selbstwert mit Liebeskummer zu tun?

Eine Trennung verletzt nicht automatisch den Selbstwert.

Aber sie kann ihn berühren.

Besonders dann, wenn aus

„Er möchte diese Beziehung nicht mehr.“

innerlich

„Er möchte mich nicht.“

und schließlich

„Ich bin nicht liebenswert genug.“

wird.

Dann trauerst du nicht mehr nur um die Beziehung.

Du versuchst gleichzeitig herauszufinden, was seine Entscheidung über dich aussagt.

War die andere attraktiver?

Warst du zu anstrengend?

Nicht interessant genug?

Zu emotional?

Zu wenig emotional?

Was hättest du anders machen müssen?

Du suchst dann in seiner Entscheidung nach einer Antwort auf die Frage, wie viel du wert bist.

Doch eine Beziehungsentscheidung ist keine objektive Bewertung deiner Person.

Warum trifft mich Ablehnung so stark?

Ablehnung kann viele Ebenen berühren.

Du verlierst möglicherweise nicht nur eine gewünschte Verbindung.

Du fühlst dich nicht gewählt.

Und „nicht gewählt“ kann sich schnell wie „nicht gut genug“ anfühlen.

Dann entsteht der Wunsch, die Ablehnung wieder rückgängig zu machen.

Vielleicht wäre alles wieder in Ordnung, wenn er zurückkäme.

Wenn er dich vermissen würde.

Wenn er erkennen würde, was er verloren hat.

Wenn er sich doch noch für dich entscheidet.

Seine erneute Zuwendung könnte sich dann wie ein Beweis anfühlen:

„Siehst du, ich bin doch wertvoll.“

Genau deshalb kann Hinterherlaufen manchmal weit über den Wunsch nach Kontakt hinausgehen.

Du möchtest möglicherweise nicht nur ihn zurück.

Du möchtest auch das Gefühl loswerden, das seine Ablehnung in dir ausgelöst hat.

Warum hängt mein Selbstwert davon ab, ob er sich meldet?

Weil Aufmerksamkeit schnell zu Bestätigung werden kann.

Eine Nachricht bedeutet dann nicht nur:

Er hat geschrieben.

Sondern:

Ich bin ihm noch wichtig.

Wenn keine Nachricht kommt, entsteht dagegen:

Er denkt nicht an mich.

und daraus vielleicht:

Ich bin ihm egal.

Je stärker dein Wertgefühl mit seiner Aufmerksamkeit verbunden ist, desto größer wird die Bedeutung jeder einzelnen Reaktion.

Dann kann ein Handy erstaunlich viel Macht darüber bekommen, wie du dich mit dir selbst fühlst.

Die Nachricht verändert nicht deinen Wert. Aber sie kann kurzfristig verändern, wie sehr du ihn selbst spürst.

Was hat Selbstwert mit emotionaler Abhängigkeit zu tun?

Bei emotionaler Abhängigkeit kann das eigene Wohlbefinden zunehmend davon abhängen, wie sich ein anderer Mensch verhält.

Wenn zusätzlich der Selbstwert an seine Zuwendung gekoppelt wird, bekommt die Beziehung noch eine weitere Funktion.

Der andere gibt dir nicht nur Nähe.

Seine Reaktion beantwortet scheinbar auch:

Bin ich wichtig?

Bin ich begehrenswert?

Bin ich liebenswert?

Bin ich genug?

Dann wird eine mögliche Trennung doppelt bedrohlich.

Du könntest einen Menschen verlieren.

Und gleichzeitig denjenigen, von dessen Bestätigung du abhängig gemacht hast, wie du dich selbst siehst.

Was hat Selbstwert mit Leistung zu tun?

Selbstwert kann nicht nur von Beziehungen abhängig werden.

Auch Leistung kann zur wichtigsten Quelle von Anerkennung werden.

Du bist wertvoll, wenn du etwas schaffst.

Wenn du produktiv bist.

Wenn du gebraucht wirst.

Wenn du alles im Griff hast.

Wenn du stark bist.

Das kann lange hervorragend funktionieren.

Vielleicht wirst du gerade dafür sogar bewundert.

Doch irgendwann wird aus:

„Ich kann viel leisten.“

unbemerkt:

„Ich bin wertvoll, wenn ich viel leiste.“

Dann wird Pause schwierig.

Scheitern bedrohlich.

Hilfe annehmen unangenehm.

Und Erschöpfung fühlt sich nicht nur körperlich oder emotional schlecht an.

Sie bedroht möglicherweise auch dein Bild von dir selbst.

Warum fällt mir Ruhe so schwer?

Wenn dein Selbstwert stark mit Leistung verbunden ist, kann Nichtstun überraschend unangenehm werden.

Solange du arbeitest, organisierst, hilfst oder Probleme löst, hast du eine klare Rolle.

Du bist nützlich.

Du wirst gebraucht.

Du hast etwas geschafft.

In der Ruhe fällt diese Bestätigung weg.

Und dann taucht möglicherweise nicht Entspannung auf, sondern Unruhe.

Ich müsste eigentlich noch …

Ich kann doch jetzt nicht einfach …

Andere schaffen viel mehr.

Ich war heute überhaupt nicht produktiv.

Dann ist Ruhe nicht nur eine Pause vom Tun. Sie nimmt dir für einen Moment auch die Möglichkeit, deinen Wert durch Tun zu beweisen.

Was hat Selbstwert mit Funktionieren zu tun?

Funktionieren kann einem instabilen Selbstwert lange Halt geben.

Du bekommst Dinge geregelt.

Du bist zuverlässig.

Andere verlassen sich auf dich.

Du bewältigst deinen Alltag.

Von außen gibt es vielleicht sogar Anerkennung dafür.

Deshalb kann es besonders irritierend sein, wenn du irgendwann trotz all dieser Leistung innerlich nichts mehr davon spürst.

Du hast objektiv viel geschafft.

Und trotzdem fühlt es sich nicht nach viel an.

Du bekommst Anerkennung.

Und sie erreicht dich kaum noch.

Du funktionierst.

Aber du weißt immer weniger, wofür.

Wenn dein Wert lange daraus entstanden ist, was du tust, kann es sehr leer werden, sobald das Tun dich innerlich nicht mehr trägt.

Was hat Selbstwert mit innerer Leere zu tun?

Innere Leere und ein niedriger Selbstwert sind nicht dasselbe.

Sie können sich jedoch berühren.

Wenn dein Gefühl für dich selbst hauptsächlich aus Rollen, Leistung, Anerkennung oder Beziehungen entstanden ist, kann die Frage schwierig werden:

„Wer bin ich, wenn gerade niemand etwas von mir braucht?“

Vielleicht hast du jahrelang funktioniert.

Erwartungen erfüllt.

Dich angepasst.

Etwas erreicht.

Für andere gesorgt.

Und trotzdem fehlt zunehmend das Gefühl einer Verbindung zu dir selbst.

Dann lautet das Problem irgendwann nicht mehr nur:

„Ich fühle mich nicht gut genug.“

Sondern:

„Ich weiß gar nicht mehr, was mich eigentlich ausmacht.“

Hier können Selbstwert, Selbstverlust und innere Leere ineinandergreifen.

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstvertrauen?

Die Begriffe werden häufig gleich verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Dinge.

Selbstvertrauen bezieht sich stärker darauf, was du dir zutraust.

„Ich glaube, dass ich das schaffen kann.“

Selbstwert betrifft stärker die Bewertung deiner Person.

„Ich bin wertvoll, auch wenn ich es nicht schaffe.“

Du kannst deshalb sehr selbstbewusst auftreten und dir beruflich enorm viel zutrauen – und trotzdem einen empfindlichen Selbstwert haben.

Umgekehrt musst du nicht in jedem Lebensbereich selbstsicher sein, um dich grundsätzlich als wertvollen Menschen zu erleben.

Selbstvertrauen fragt: „Kann ich das?“
Selbstwert fragt: „Was bin ich wert, wenn ich es nicht kann?“

Was ist der Unterschied zwischen Selbstwert und Selbstwirksamkeit?

Selbstwirksamkeit beschreibt die Überzeugung, durch das eigene Handeln etwas bewirken und mit Herausforderungen umgehen zu können.

Selbstwert beantwortet eine andere Frage.

Nicht:

„Kann ich etwas verändern?“

Sondern:

„Wie bewerte ich mich selbst?“

Beides kann sich gegenseitig beeinflussen.

Wenn du immer wieder erlebst, dass du Entscheidungen treffen, Grenzen setzen und mit Konsequenzen umgehen kannst, kann das auch deine Beziehung zu dir selbst verändern.

Aber dein Wert hängt nicht davon ab, ob jede deiner Entscheidungen funktioniert.

Wie kann ich meinen Selbstwert stärken?

Nicht nur durch positivere Gedanken über dich selbst.

Wenn du dir morgens zehnmal sagst:

„Ich bin wertvoll.“

und den restlichen Tag gegen deine Bedürfnisse handelst, entsteht möglicherweise wenig Veränderung.

Selbstwert kann auch darüber wachsen, wie du mit dir umgehst.

Nimmst du deine Bedürfnisse ernst?

Hältst du eigene Grenzen für genauso wichtig wie die anderer Menschen?

Sprichst du mit dir nach einem Fehler anders als mit jemandem, den du liebst?

Bleibst du dir treu, wenn jemand deine Entscheidung nicht gut findet?

Kannst du etwas nicht schaffen, ohne dich deshalb abzuwerten?

Vielleicht entsteht Selbstwert nicht nur dadurch, dass du lernst, besser über dich zu denken. Sondern auch dadurch, dass du beginnst, dich so zu behandeln, als wärst du tatsächlich etwas wert.

Selbstwert – kurz erklärt

Selbstwert beschreibt, welchen Wert du dir selbst als Mensch zuschreibst. Wird dieser Wert stark von Leistung, Anerkennung oder der Zuwendung eines anderen Menschen abhängig, können Ablehnung, Trennung oder Erschöpfung das eigene Wertgefühl besonders stark erschüttern. Ein stabilerer Selbstwert bedeutet nicht, immer von sich überzeugt zu sein – sondern den eigenen Wert nicht jedes Mal neu davon abhängig zu machen, ob man funktioniert, etwas leistet oder von einem bestimmten Menschen gewählt wird.

-> Lies hier weiter: Innere Leere – wenn der Autopilot übernimmt

Nach oben scrollen