Selbstsabotage

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Selbstsabotage beschreibt Verhaltensweisen, mit denen wir unsere eigenen Ziele, Wünsche oder Veränderungen unbewusst erschweren oder verhindern. Das wirkt widersprüchlich: Du möchtest etwas – und verhältst dich gleichzeitig so, dass du genau dort nicht ankommst.

Doch Selbstsabotage bedeutet nicht automatisch, dass du dir selbst schaden möchtest.

Häufig steckt dahinter ein Verhalten, das kurzfristig etwas anderes für dich erledigt:

Es schützt dich vor etwas, das sich im Moment noch unsicherer anfühlt als das Feststecken.

Was bedeutet Selbstsabotage?

Du möchtest endlich loslassen – und schaust trotzdem wieder nach, was er macht.

Du möchtest eine Grenze setzen – und sagst im entscheidenden Moment doch wieder Ja.

Du möchtest beruflich etwas verändern – und findest jeden Abend einen guten Grund, warum heute nicht der richtige Zeitpunkt für die Bewerbung ist.

Du möchtest herausfinden, was du willst – und fragst fünf andere Menschen, was sie an deiner Stelle tun würden.

Von außen sieht das aus, als würdest du gegen dein eigenes Ziel arbeiten.

Aber die spannendere Frage lautet:

Was erspare ich mir kurzfristig dadurch, dass ich genau das nicht tue, was ich eigentlich möchte?

Warum sabotieren wir uns selbst?

Weil das gewünschte Ergebnis nicht nur positive Konsequenzen haben muss.

Eine Veränderung kann gleichzeitig Freiheit und Unsicherheit bedeuten.

Eine Trennung kann dich aus einer unglücklichen Beziehung befreien – und gleichzeitig bedeuten, allein zu sein.

Eine Grenze kann dich schützen – und gleichzeitig jemanden enttäuschen.

Eine Bewerbung kann dir eine neue berufliche Möglichkeit eröffnen – und gleichzeitig das Risiko einer Absage.

Selbstsabotage kann deshalb entstehen, wenn ein Teil von dir Veränderung möchte und ein anderer versucht, dich vor den möglichen Konsequenzen dieser Veränderung zu schützen.

Du arbeitest dann nicht unbedingt gegen dich. Zwei Bedürfnisse in dir arbeiten nur in unterschiedliche Richtungen.

Warum mache ich immer wieder Dinge, von denen ich weiß, dass sie mir nicht guttun?

Weil Wissen nicht automatisch alte Muster verändert.

Du kannst längst verstanden haben, dass du ihm nicht mehr schreiben möchtest.

Und trotzdem schreiben.

Du kannst wissen, dass du dich ständig überforderst.

Und trotzdem die nächste Aufgabe übernehmen.

Du kannst erkennen, dass du dich immer wieder anpasst.

Und trotzdem automatisch Ja sagen.

Das Verhalten kann kurzfristig etwas herstellen, das im Moment wichtiger erscheint: Nähe, Ruhe, Zugehörigkeit, Kontrolle oder Sicherheit.

Was langfristig schlecht für dich ist, kann sich kurzfristig trotzdem wie die sicherere Möglichkeit anfühlen.

Ist Selbstsabotage wirklich unbewusst?

Nicht immer vollständig.

Oft bemerkst du durchaus, was du tust.

Du weißt vielleicht schon beim Öffnen seines Profils, dass du eigentlich nicht nachsehen wolltest. Du merkst beim Ja-Sagen, dass du Nein meinst. Du weißt beim Aufschieben, dass du gerade wieder ausweichst.

Was weniger offensichtlich sein kann, ist warum du es trotzdem tust.

Genau deshalb hilft die reine Aufforderung:

„Dann hör doch einfach damit auf.“

so selten.

Das Verhalten hat möglicherweise eine Funktion. Solange diese Funktion nicht sichtbar wird, bleibt nur der Eindruck:

„Warum stehe ich mir eigentlich ständig selbst im Weg?“

Was hat Selbstsabotage mit dem Inneren Wächter zu tun?

Der Innere Wächter versucht, bekannte Gefahren frühzeitig zu erkennen.

Wenn Veränderung mit Unsicherheit verbunden ist, kann er deshalb genau dann besonders laut werden, wenn du eigentlich einen Schritt nach vorne machen möchtest.

Warte lieber noch.

Überleg noch einmal.

Was, wenn das schiefgeht?

Vielleicht ist jetzt einfach nicht der richtige Zeitpunkt.

Das kann wie Selbstsabotage aussehen.

Aus Sicht deines Inneren Wächters ist es jedoch möglicherweise Schutz.

Er verhindert nicht deine Veränderung, weil er gegen dich ist. Er verhindert sie, weil das Bekannte für ihn noch sicherer erscheint als das Neue.

Was hat der Innere Kritiker mit Selbstsabotage zu tun?

Der Innere Kritiker kann einen anderen Weg nehmen.

Er macht nicht unbedingt die Veränderung gefährlich – sondern deine Fähigkeit, sie zu bewältigen, fragwürdig.

Das schaffst du sowieso nicht.

Du ziehst das doch wieder nicht durch.

Andere können das besser.

Wenn du scheiterst, hast du dich nur lächerlich gemacht.

Damit kann Selbstsabotage beginnen, bevor überhaupt etwas passiert ist.

Denn wer davon überzeugt ist, ohnehin zu scheitern, muss sich dem möglichen Scheitern gar nicht erst aussetzen.

Warum sabotieren wir manchmal gerade das, was wir uns wünschen?

Weil auch etwas Positives Veränderung bedeutet.

Eine glückliche Beziehung kann mehr Nähe verlangen, als du gewohnt bist.

Ein beruflicher Erfolg kann Sichtbarkeit und Verantwortung bedeuten.

Eine klare Entscheidung kann bedeuten, dass die Zeit des Abwartens vorbei ist.

Manchmal fürchten wir deshalb nicht das Ziel selbst.

Wir fürchten das, was sich verändern müsste, wenn wir es tatsächlich erreichen.

Das kann erklären, warum Menschen kurz vor einer wichtigen Veränderung plötzlich zweifeln, aufschieben oder wieder in alte Muster zurückkehren.

Wie kann ich Selbstsabotage erkennen?

Nicht nur mit der Frage:

„Was mache ich schon wieder falsch?“

Sondern eher:

„Wovor schützt mich dieses Verhalten gerade?“

Was müsste ich fühlen, wenn ich es nicht tue?

Welche Unsicherheit müsste ich aushalten?

Welche Konsequenz würde plötzlich real?

Was müsste ich über mich oder mein Leben akzeptieren?

Damit verändert sich die Perspektive.

Selbstsabotage wird nicht zur Ausrede für jedes Verhalten. Aber aus einem vermeintlichen persönlichen Fehler kann eine Information werden.

Wie kann ich Selbstsabotage verändern?

Wenn ein Verhalten eine Schutzfunktion erfüllt, reicht es häufig nicht, es einfach zu verbieten.

Du brauchst eine andere Erfahrung.

Vielleicht setzt du nicht sofort die größte Grenze, sondern zunächst eine kleine.

Vielleicht musst du nicht dein gesamtes Leben verändern, sondern heute eine Handlung ausprobieren, die du sonst vermieden hättest.

Vielleicht hältst du einmal aus, nicht nachzusehen, nicht sofort zu reagieren oder nicht noch eine weitere Meinung einzuholen.

Dadurch entsteht neues Vergleichsmaterial:

Ich kann etwas anders machen – und ich kann mit dem umgehen, was dann passiert.

Genau daraus können Selbstwirksamkeit und innere Sicherheit wachsen.

Selbstsabotage – kurz erklärt

Selbstsabotage bezeichnet Verhaltensweisen, mit denen wir eigene Ziele oder Veränderungen erschweren, obwohl wir sie bewusst eigentlich möchten. Dahinter muss kein Wunsch stehen, sich selbst zu schaden. Das Verhalten kann kurzfristig vor Unsicherheit, Ablehnung, Kontrollverlust oder möglichen Konsequenzen schützen. Veränderung wird leichter, wenn nicht nur das Verhalten bekämpft wird, sondern sichtbar wird, welche Funktion es bisher erfüllt hat.

-> Lies hier weiter: → Innere Leere: Warum du nichts fühlst, obwohl eigentlich alles gut ist

Verwandte Begriffe:

Innerer Wächter · Innerer Kritiker · Handlungsunfähigkeit · Nervensystem · Unsicherheit · Selbstwirksamkeit · Anpassung

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